{"id":4191,"date":"2022-01-04T08:51:00","date_gmt":"2022-01-04T07:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codify.in\/?p=4191"},"modified":"2022-09-19T18:08:36","modified_gmt":"2022-09-19T17:08:36","slug":"innovationsprojekte-neben-tagesgeschaeft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codify.in\/de\/2022\/01\/04\/innovationsprojekte-neben-tagesgeschaeft\/","title":{"rendered":"Innovationsprojekte mit Leuchtturmcharakter tageweise neben Kerngesch\u00e4ft vorantreiben?"},"content":{"rendered":"<p>Wir konnten im letzten Jahr wieder beobachten, was passiert, wenn ein fach&uuml;bergreifendes Innovationsteam nicht f&uuml;r die gesamte Dauer eines Projektes freigestellt werden kann, man sich aber mit den Fachbereichen und entsprechenden F&uuml;hrungskr&auml;ften auf einen &ldquo;Kompromiss von zwei Tagen die Woche&rdquo; einigt. Klingt erst mal gut und wurde von allen Beteiligten beteuert, dass die Zusage eingehalten wird. Die Realit&auml;t jedoch sah so aus: Manche Teammitglieder hatten dann statt zwei Tagen, effektiv ganze zwei Stunden pro Woche, die Sie dem Projekt widmen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch zun&auml;chst etwas Kontext: das Unternehmen ist eine klassische Ingenieurs-getriebene &raquo;Command-Control&laquo; Organisation mit vielen historisch (auch durch Zuk&auml;ufe) gewachsenen BUs, die, so kann man sagen &ldquo;recht Silo-artig operieren&rdquo;. F&uuml;r eine existierende technische L&ouml;sung einer BU sollten potentielle Neukunden, ein &uuml;berzeugendes, anvalidiertes Wertversprechen sowie ein Gesch&auml;ftsmodellkonzept entwickelt werden (Customer Discovery). Der hochengagierte, und von agilem Arbeiten &uuml;berzeugte, Projektsponsor stimmte sich daf&uuml;r mit F&uuml;hrungskr&auml;ften aus anderen Bereichen ab, ihm f&uuml;r 12 Wochen, jeweils einen Mitarbeiter mit entsprechendem Kompetenzfokus (Design, Accounting, Engineering, etc.) f&uuml;r das Team abzustellen. Man einigte sich auf besagte zwei Tage pro Woche &mdash; frei einteilbar durch den entsandten Mitarbeiter. Die entsendenden F&uuml;hrungskr&auml;fte und der Rest der Organisation hatten zum Zeitpunkt der Zusage keine Erfahrung mit agilen Arbeitsweisen und nicht-technischem Innovationsmanagement (Business R&amp;D). Auch ein Denken in <a href=\"https:\/\/codify.in\/de\/glossary\/service-design\/\" target=\"_blank\" title=\"The application of design thinking to the improvement or creation of services.\" class=\"encyclopedia\">Service Design<\/a> oder Gesch&auml;ftsmodell-Logik war nicht existent.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt startete vielversprechend: Talent, Drive und Lernwille waren im Gro&szlig;teil des Teams eindeutig vorhanden. Eine Offenheit f&uuml;r ein Reframen und Explorieren von Opportunit&auml;ten au&szlig;erhalb der Ausgangschallenge waren beim Projektsponsor &mdash; seines Zeichens Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer wichtigen BU &mdash; vorhanden und somit bestand f&uuml;r das Team zumindest von seiner Seite auch sp&uuml;rbar <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/rework.withgoogle.com\/guides\/understanding-team-effectiveness\/steps\/foster-psychological-safety\/\" target=\"_blank\">psychologische Sicherheit<\/a>. Aber schon in den ersten Wochen des User Research wurde klar, dass das Team nicht einmal zu den Ritualen vollz&auml;hlig zu erscheinen vermag. Gr&uuml;nde: <em>&ldquo;Bei uns im Bereich brennt gerade die H&uuml;tte.&rdquo;, &ldquo;Da haben wir eine andere, wichtige Veranstaltung&rdquo;, &ldquo;Sorry, aber mein Chef [Grund hier einf&uuml;gen]&rdquo;<\/em>. Aus zwei Tagen pro Woche effektiv verf&uuml;gbarer Kapazit&auml;t f&uuml;r das Innovationsprojekt wurden somit zum Teil nur besagte zwei Stunden [sic!].<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben dies selbstverst&auml;ndlich in unseren Retros reflektiert und die Teammitglieder versuchten sich gg&uuml;. ihren Vorgesetzten f&uuml;r das Projekt stark zu machen und es mehr zu priorisieren. Jedoch wurde es sowohl aus Sicht der Vorgesetzten als auch einzelner Teammitglieder immer wieder herabpriorisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines vorab: Nichts davon hat uns als Innovationscoaches &uuml;berrascht. Wir kennen die Effekte von Incentivierungskonflikten; anf&auml;nglichen Missverst&auml;ndnissen, was agiles Arbeiten bedeutet; oder auch dem hohem Workload im Kerngesch&auml;ft mit Tendenz von F&uuml;hrungskr&auml;ften <a href=\"https:\/\/codify.in\/glossary\/moonlighting\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/codify.in\/glossary\/moonlighting\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Moonlighting<\/a> f&uuml;r &bdquo;derlei Seitenprojekte&ldquo; zu erwarten, etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, die mich aber umtreibt ist: <strong>Wie k&ouml;nnen wir einem solchen Team helfen, damit die entsendenden F&uuml;hrungskr&auml;fte ihre Zeitzusagen einhalten?<\/strong> Und noch einmal: <strong>Kontext ist eine nicht-agile Organisation, die kein Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Bed&uuml;rfnisse erster &ldquo;Versuchskaninchenteams&rdquo; hat. In den meist auf lokale Maxima optimierenden Silos\/BUs besteht kein geteiltes Interesse am Erfolg des Projektes.<\/strong> Weiters ist die Organisation weit davon entfernt sich f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/codify.in\/glossary\/innovation-system\/\" data-type=\"encyclopedia\" data-id=\"851\">systemischen Zusammenh&auml;nge eines gut abgestimmten Innovationsmanagements<\/a> geschweige denn Organisationsdesigns zu interessieren. Auch ist der Projektsponsor auf die Kooperationsbereitschaft seiner Managerkollegen angewiesen und kann diese zu nichts &bdquo;zwingen&ldquo;. Es geht hier also darum in einem beschr&auml;nkten Kontext ohne langfristig angelegte Change- oder Transformationsprogramme <strong>einfach ein erstes bereichs&uuml;bergreifendes Innovationsprojekt durch &ldquo;die Ziellinie&rdquo; zu bekommen<\/strong>. Denn &mdash; typisches Henne-Ei Problem &mdash; der Projektsponsor glaubt (zu recht in diesem Kontext), dass der Rest der Organisation sich f&uuml;r die Vorteile dieser Art des Arbeitens erst interessieren wird, wenn er ihr ein erfolgreiches &ldquo;Leuchtturmprojekt&rdquo; vorzeigen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei&szlig;, dass dies ein sehr spezieller Fall ist und sicher viele von Euch sagen werden, dass es die beste L&ouml;sung w&auml;re, in solch einem Projektsetup ein Team gar nicht erst starten zu lassen oder erst (Awareness)Arbeit am System zu leisten sei. Aber es ist nun einmal die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.springerprofessional.de\/agile-methoden\/leadership\/wie-agile-methoden-innovationen-befeuern\/10810008\" target=\"_blank\">Realit&auml;t in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft<\/a> (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/medium.com\/@business_inno\/das-management-der-digitalen-transformation-f5d818bfbdc6\" target=\"_blank\">siehe auch dieser gute Artikel von Patrick St&auml;hler von 2001<\/a> [sic!]), dass die ersten agilen Projektversuche alles andere als ideal verlaufen. Ergo m&uuml;ssen Teams unter den Startbedingungen arbeiten, die deren Organisation vorgibt. Und die sind dann auch in 2021 immer noch so wie in diesem Bild:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"863\" src=\"https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/silo-tom-fishburne.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4272\" srcset=\"https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/silo-tom-fishburne.jpg 1200w, https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/silo-tom-fishburne-720x518.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\"><\/figure>\n\n\n\n<p>Darum interessieren mich zwei Dinge: 1) Wer von Euch hat schon mal in so einer Situation gesteckt und was habt Ihr getan um Teamkapazit&auml;tsprobleme durch <s>uneinsichtige<\/s> Kerngesch&auml;fts- und Silo-incentivierte Linienmanager beim n&auml;chsten (imperfekt aufgesetzten) Projekt zu vermeiden? <strong>2) Was haltet Ihr von <a href=\"#prototype\">unten stehender Verpflichtungserkl&auml;rung<\/a> f&uuml;r die entsendenden F&uuml;hrungskr&auml;fte? Was spr&auml;che daf&uuml;r, eine solche beim n&auml;chsten Projekt einzusetzen, was dagegen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich freue mich &uuml;ber Eure Kommentare <a href=\"#comment-respond\">hier im Post<\/a> oder an folgender LinkedIn-Diskussion: <\/p>\n\n\n\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.linkedin.com\/embed\/feed\/update\/urn:li:share:6929390047641100289\" allowfullscreen=\"\" title=\"Embedded post\" width=\"504\" height=\"683\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n\n\n\n<p>Ich freue mich &uuml;ber Eure Kommentare <a href=\"#comment-respond\">hier im Post<\/a> oder an folgendem Twitter-Stream: [TWEET \/ LINKEDIN QUESTION to ppl: <em>Innovationsprojekt mit Leuchtturmcharakter neben Tagesgesch&auml;ft? &#128580; Klappt nur, wenn Linienmanager mitspielen und Ihren Leuten den Freiraum lassen. Tun sie aber nicht. Was glaubt Ihr w&auml;ren die Pros und Cons, sie so hier zur Kooperation zu verpflichten?<\/em> ]<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\" id=\"prototype\"><a href=\"https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Verpflichtungserkla%CC%88rung-Innovationsprojekt.pdf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1560\" height=\"2206\" src=\"https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Verpflichtungserkla%CC%88rung-Innovationsprojekt-1-1560x2206.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4257\" srcset=\"https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Verpflichtungserkla&#776;rung-Innovationsprojekt-1-1560x2206.png 1560w, https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Verpflichtungserkla&#776;rung-Innovationsprojekt-1-720x1018.png 720w, https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Verpflichtungserkla&#776;rung-Innovationsprojekt-1-1086x1536.png 1086w, https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Verpflichtungserkla&#776;rung-Innovationsprojekt-1-1448x2048.png 1448w, https:\/\/codify.in\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Verpflichtungserkla&#776;rung-Innovationsprojekt-1-1980x2800.png 1980w\" sizes=\"auto, (max-width: 1560px) 100vw, 1560px\"><\/a><figcaption>Ein Entwurf f&uuml;r eine Verpflichtungserkl&auml;rung f&uuml;r entsendende F&uuml;hrungskr&auml;fte, ihren Leuten den R&uuml;cken freizuhalten. Muss nicht mit Blut unterschrieben werden &#128527;, aber wird im Konfliktfall aus der Schublade geholt und Ihnen schauwirksam in Erinnerung gerufen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Oh, und das ganze ist bisher nur ein Gedankenexperiment. <strong>Wurde noch nicht getestet.<\/strong> Daher die Bitte um Pros und Cons und Gedanken zu eventuellen Nebeneffekten, die solche Art der Verpflichtung f&uuml;r Team, Projektsponsor und Organisation mit sich bringen k&ouml;nnte. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group infobox\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p><strong>Kleiner Epilog<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn obige Beschreibung vor allem Barrieren und Dilemmata betont, so wurden Projektverlauf und -ergebnis sowohl von den Teammitgliedern als auch anderen Stakeholdern in der Organisation als erfolgreich empfunden. Allein die Vorgehensweise, einmal evidenz-basiert von Kunde und Gesch&auml;ftsmodell und nicht von der Technologie her zu denken, wurde als <em>&bdquo;radikal, super sinnvoll und kreativit&auml;tsf&ouml;rdernd&ldquo;<\/em> erlebt.<\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Per se nicht die beste aller Ideen. 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